Dienstag, 28. Februar 2017

Der Körpergewichts-Clean&Jerk

Die Zugstemme (Muscle-Up) ist wie ein "Clean&Jerk mit dem eigenen Körpergewicht", schreibt Carlo Paoli in seinem empfehlenswerten Mega-Wälzer "Free+Style".



Das ist wirklich so. Eine höchst komplexe Übung, die viel Arbeit erfordert. Dreidimensional, viele Muskelgruppen synergistisch beteiligt.

Gestern in der Turnhalle von uns beackert wieder in Komplexen mit L-Sitz, Hangwaage und weiteren Dips. Ringe sind herrlich simpel. Und sie geben eine enorme Grundkraft im Griff, Bauch, Rücken. Kein Wunder, dass daraus oft auch überraschend starke Leistungen beim Kreuzheben und Co. generiert werden. Der anabole Akrobat Jujimufu (www.acrobolix.com) ist mit seinen fast 100 Kilo Lebendgewicht ebenfalls ein Riesenfan von Ringen: https://acrobolix.com/ask-jujimufu-8/

Hier spricht auch ein Meister in höchsten Tönen davon. Ido Portal im Gespräch mit London Real. Sehr sehr geniale Sendung generell. Auch die mit Steve Maxwell übrigens.



In diesem Sinne, ein Hoch auf die Zugstemme!

Dienstag, 21. Februar 2017

No easy way out....


Wie es um unsere Gesellschaft in punkto Fitness steht, sieht man auch am Bahnhof. Was soll das nun? Hier nur ein Beispiel: Wenn der Mensch die Wahl zwischen Rolltreppe und Stiege hat, was nimmt er? Richtig. 80% oder mehr nehmen den leichten Weg. Schon sensationell. Es darf einen einfach auch nicht wundern.

Heutzutage wird man blöd angeschaut, wenn man nicht in diesem Faulheits-Becken mitschwimmt. Im Podcast mit dem schon einmal erwähnten Joe de Sena, dem Gründer der Spartan Races, sagt dieser, dass er auf seine kilometerlangen Spazierwege oft eine 20er-Kettlebell mitschleppt.

Es erinnert mich dieser Tage an meinen fleißigen Trainingskameraden Sebastian. Jungvater. Keine leichte Zeit, wie viele hier sicher wissen. Was tut er, wenn er zum Training kommt zu uns? Er macht das zu Fuß, oft auch mehrere Kilometer, oft abends in der Finsternis. Und schleppt eine Kettlebell auch mit. Oft auch mit einem weiteren Kameraden.

Das der Kerl bei einem Bergmarsch ein horrendes Tempo anlegt, ist auch klar bei den Grundlagen. Und selten Muskelkater habt. Klarerweise bei der Laktatverträglichkeit.

Es zeigt aber auch, dass man sich nicht einfach mit ein bisschen Training die Woche begnügen sollte und sich dann zurücklehnt. Vielmehr ist die Alltagsbewegung das, was einen fitten von einem unfitten Menschen unterscheidet. Dicke Leute sitzen, liegen, rasten, dünne tun das Gegenteil. (genetische Ausnahmen gibt's immer, doch der Stoffwechsel schläft bei jedem einmal ein, wenn er ihn nicht befeuert).

Lasst uns weiter das tun, was nicht unbedingt Mainstream ist! Kontinuierliches Ackern, gleichzeitig auf den Körper horchen. Es geht hier keinesfalls um eine Kultur des sich Vernichtens. Was momentan aufgrund diverser Bewegungen (ich nenne keine Namen) sehr in Mode ist. Dort wird der Körper oft über die Grenzen hinaus niedergemacht. Er macht das brav mit. Früher oder später bricht er aber. Die Dosis macht das Gift. Wer in einem Becken aus Cortisol schwimmt, das er sich durch High-Intensity-Aktionen und Vernichtungs-WOD's anhäuft, der wird dafür seinen Preis zahlen. Junge lachen darüber, aber wie lange?

Dennoch macht es Sinn, seinen Körper zu benutzen. In vernünftigem, aber fordernden Maße. Und hegen und pflegen. Langfristigkeit ist hier immer wieder ein wiederkehrendes Thema. Auch mit 50, 60, 70 wollen wir agil sein und Freude an der Bewegung haben.

Montag, 6. Februar 2017

Für solche Dinge ist NIEMAND zu stark...


Übungen mit dem eigenen Körpergewicht werden oft verschmäht. Und wenn sie gemacht werden, dann müssen es coole "Zirkustricks" sein (damit man auf Instagram und Co. gut dasteht...), oder Herumgehample mit schlampiger Ausführung und übermäßigem Abfälschen. Nur damit eine schnelle Zeit am Ende herauskommt, obwohl das niemals der Weisheit letzter Schluss ist. Und um es wie mein Freund und Mentor Steve Maxwell (im Bild oben) auszudrücken: "You will pay the prize for all those sloppy reps. Not now maybe, but soon enough...."

Doch exakt ausgeführte und respektvoll behandelte Basics wie der simple Liegestütz oder aber auch die Kniebeuge ohne Zusatzgewicht sind Dinge, die jedem etwas bringen. Und das in jeder Lage. Ob stark oder schwach, dünn oder dick. Es macht keinen Unterschied. Für solche Sachen ist man NIE ZU STARK. Kein Weltmeister in irgendwas, niemand.

Ich durfte es selbst gestern auch wieder einmal am eigenen Leibe erleben. Eine simple Sache aus dem Buch "Habitual Strength" von Tim Anderson hat mir einen Kater beschert, der seinesgleichen sucht :-)

Liegestütze-Kniebeuge abwechselnd ausgeführt ohne Pause dazwischen:
1-1, dann 2-2, dann 3-3 hoch bis 10-10 und dann das Spiel wieder gleich runter auf 1-1

Ergibt pro Übung jeweils 100 Wiederholungen. Wir haben das ganze schön langsam ausgeführt, sauber und volle Range of Motion.

Auch heute sind die Nachwirkungen noch gut spürbar. Wer sagt, hohe Wiederholungen bringen nix, weit gefehlt... Das auch die Pumpe gut in Gang kam, erklärt sich von selbst. Dan John schrieb darüber schon einmal. Dieses dauernde Aufstehen und wieder zu Boden gehen, ist eine höchst wirkungsvolle Kombo.

Garniert noch mit mehreren Durchgängen Seilklettern, Swings und Turkish Getups sowie Seilspringen haben wir alles abgedeckt, was abzudecken ist. Alle Grundpfeiler. Push, Pull, Squat, Hinge, Groundwork, Cardio...

Guten Wochenstart, möge der Muskelkater mit euch sein...