Dienstag, 6. September 2016

Ein Vorbild durch und durch


Im Gewichtheber-Zentrum in Lochen im Innviertel in Oberösterreich schuftet derzeit ein Mann mehr Stunden am Eisen, als so manch einer täglich in seinem Bürosessel versitzt. Wieder einmal.

Hans Anglberger, mein Mentor im Olympischen Gewichtheben bereitet sich gerade auf die Masters-WM im deutschen Heinsheim Anfang Oktober vor. Steht oftmals zweimal am Tag vor der Hantel und gibt Vollgas. In der Klasse bis 69 Kilo ist der 65-Jährige ein Medaillenkandidat. Es wäre nicht seine erste, Hans hat schon viele Goldene, Silberne und Bronzene eingeheimst. Weil er wie kaum ein anderer auf der Welt nach wie vor fit ist. Und das in diesem Alter, wo manche nur mehr über ihre Wehwehchen klagen, über die guten alten Zeiten reden und ihr Dasein auf der Couch oder im Bett fristen. Nicht so Hans. Leider komm ich derzeit nicht so oft zum trainieren mit ihm, wie ich das gern täte. Aber Hans hat einige "Erfolgsgeheimnisse", die ich in vielen Stunden Training mit ihm herausfand und die jeden von uns weiterbringen:

- Wettkämpfe: das spornt ihn alljährlich an, der Hunger nach Erfolg ist eine Triebfeder, die viele nicht haben. Stattdessen wird oft ins Blaue ohne System trainiert. Hans hat mindestens 3-4 Wettkämpfe im Jahr und peakt darauf hin. Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

- Tagebuch: Hans führt genauestens Buch über seine Trainings und Wettkämpfe. Schreibt jedes Kilo, jede Wiederholung penibel genau auf. Geht das ganze immer wieder durch. Beginnt meist so 12 Wochen vor dem Wettkampf die genaue Vorbereitung, Schlendrian ist schon davor nicht drinnen. Er weiß genau was er tut, ein "running system", oftmals erprobt.

- Grundübungen: Hans macht Reißen, Stoßen, Kniebeugen und das seit Jahrzehnten. Dazu nach Bedarf noch Zusatzübungen für Bauch, unteren Rücken und die Ärmel. Das eine ist die Hauptspeise, das andere das Sahnehäubchen oben drauf. Basics, die das hormonelle System des Körpers befeuern und den Großteil der Muskulatur beanspruchen. Ein wahrer Jungbrunnen, wenn die Technik passt und man auf den Körper zudem horcht. Hans macht nach wie vor Kniebeugen mit 140 Kilogramm hinten und das bei seinem niedrigen Körpergewicht. Seine Oberschenkel und die Rückenstrecker sind der Beweis dafür. Er kann sein Körpergewicht auch immer noch problemlos reißen (bei Masters-Wettkämpfen oft eine Seltenheit) und 100 Kilo stoßen hat er ebenfalls noch drin. Noch einmal: der Kerl ist 65. Er hat keine Knieprobleme. Aufwärmen tut er am liebsten ein paar Minuten am Standfahrrad, dann Dehnen und Mobilisieren und dann mit der leeren Hantelstange so lange, bis er das Gefühl hat, jetzt geht's dahin. Dann geht's zur Sache dafür. Wir haben oft wahre Marathonsessions gemacht. Unzählige Sätze Reißen oder Umsetzen&Stoßen. Dann seine legendären Zug- und Kniebeugesessions. 2x4, Gewicht steigern, 2x4, Gewicht steigern, 2x4, Gewicht steigern, 2x3, Gewicht steigern, 2x3 und wenns dann noch geht einen schweren Zweier. Mörderisch. Er macht sowas bis zu fünfmal die Woche. Mit Zügen und Beugen. Brachial. Sein Körper hat adaptiert. Meiner versuchte es. Und tat es erstaunlicherweise immer mehr. Man hält mehr aus als man glaubt.

Hier ein Kniebeugen-Satz von Hans



- Regeneration: Der drahtige Kerl ist aber auch kein purer Vernichter, er hört genau auf seinen Körper. Überdreht er einmal, nimmt er sofort etwas raus. Geht regelmässig in die Therme, Sauna und auch zum Masseur sowie zum Akkupunktieren. Auch einen Post-Workout-Drink nimmt er ein im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen. In ein Bierglas gibt er Wasser und zwei Esslöffel Eiweißpulver. Rührt sich das ganze an, geht wieder zu einem Satz Kniebeugen, macht einen schweren Dreier oder Fünfer und nimmt dann bedächtig ein paar Schlucke vom Gesöff. Das machten schon die Oldtimer wie Frank Zane so. Denn merke: Wer was achtlos und schnell runterschluckt, verdaut es nicht gut und assimiliert auch nix davon. Hans ist auch da ein Vollprofi. Macht intuitiv vieles richtig. Weil er den Erfolg sucht und auch findet immer. Er trinkt in der Vorbereitung auf Wettkämpfe keinen Schluck Alkohol. Denn er weiß. Wer Tonnen an Gewicht täglich stemmt, muss dem Körper auch das geben, was er wirklich braucht.

Das alles sind keine XXXXLLL-Secret-Methoden, die uns so mancher "Internet-Coach" heute so gerne verkaufen würde. Aber es sind Dinge, die wirklich funktionieren. Wenn man sie den auch befolgt. Und daran hapert es oft. Aber von Hans kann man sich eine Scheibe abschneiden oder am besten auch mehrere.

Haut rein!

P.S.: Ein Vorbild vorbildlichen Alterns ist auch Steve Maxwell. Er kommt im November wieder mal zu uns. Hier mehr Infos. Sollte man sich nicht entgehen lassen:
http://maxwellsc.com/registration.cfm?registration_id=437

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