Mittwoch, 29. Oktober 2014

Interview Oliver Klettner - der Ausnahme-Shaolin

Sodala, hier nun ein neues Interview mit einem weiteren Ausnahmeathleten. Kollege Oliver Klettner. Über die Jahre ein guter Freund auch geworden! Das Interview wurde zuletzt wieder von einem werten Leser eingefordert, Versprechen werden hier natürlich gehalten. Wenngleich ich mir eins nicht verkneifen möchte. Ich liefere hier am Blog seit Jahren gewaltig Content, for free! Auch auf www.power-quest.cc übrigens. Seit 2007. Fast 500 Sendungen....Die dafür geopferten Stunden will ich nicht zählen, zahlen tut sie auch keiner! Das einzige was ich mir rausnehme, ist, das ich entscheide, wenn ich was poste.

Apropos Podcast. Da gibt's auch ein super Interview mit Oliver zu hören - siehe Archiv. Hier gibt's Action. Nicht nur Blablabla. Schwätzer gibt's viele da draußen im Internet-Bereich. Die mehr auf die Tastatur hacken als zu trainieren. Lasst uns nicht dazugehören! Ran ans Eisen! Aber nun Bühne auf für Oliver:

 
Deine Website oder wo kann dich der Leser erreichen?

Momentan nur via Facebook bzw. meine email oliver.klettner@gmx.at

Daten und Fakten zu dir?

1.10.1983 ca 84kg, ca 180cm

Erzähl dem Leser aber selbst, wie du zum Training gekommen bist, deine Anfänge und alles weitere?

Ich hatte das Glück in einer ländlichen Umgebung unter vielen Gleichaltrigen aufzuwachsen, war den ganzen Tag im Freien, sehr viel im Wald. Wir haben ständig irgendwelche Spiele gespielt wie z.B. Fangen, diverse Ballspiele usw. Das hat mir sicherlich eine gute Grundlage gegeben. Später hat auch Skateboardfahen und Inlineskaten eine wichtige Rolle gespielt. Meine große Leidenschaft waren aber schon immer die ostasiatischen Kampfkünste. Diese haben mich auch damals in erster Linie wegen der Bewegung an sich fasziniert (besonders Taekwondo und Wushu), der kämpferische Aspekt war mir noch nie wirklich wichtig. Durch meinen Kontakt zu den Kampfkünsten, vor allem als ich mich viel über Bruce Lee informierte hat auch meine Leidenschaft für das körperliche Training begonnen, die mich seither nicht mehr losgelassen hat. Angefangen habe ich mit BWEs sowie ein paar Kurzhanteln (die mich aber sehr schnell gelangweilt haben). Später bin ich dann auf Kettlebells gestoßen, die nach meinem Trainingsjahr in China 2007/08 ein sehr wichtiger Bestandteil meines Trainings wurden und bis heute relativ regelmäßiger Bestandteil in meinem Training sind. Seither habe ich einige Seminare von Leuten wie Steve Maxwell, Steve Cotter, Ido Portal, Alvaro Romano, chinesischen Meistern usw. besucht und deren Erfahrungen und Lehren in mein eigenes Training integriert. Meine Grundlage wurde aber über all die Jahre immer von Übungen mit dem eigenen Körpergewicht gebildet. Diese sind für mich auch heute noch der wichtigste Bestandteil in meinem Training.   

Wie hat sich deine Ernährungsweise verändert im Laufe der Zeit? Hast du irgendeine Philosophie?

Meine Ernährungsweise hat sich in den letzten Jahren nicht großartig verändert. Klar gibt es Lebensmittel die von Zeit zu Zeit eine mehr oder weniger große Rolle in meiner Ernährung spielen aber im Großen und Ganzen war bzw. ist der Fokus immer auf echter Nahrung. Bis auf gelegentliche Ausnahmen vermeide ich alle übermäßig industriell produzierten Produkte. Das ist zum Glück kein harter Kampf, bis auf dunkle Schokolade reizt mich nichts davon. Den größten Teil in meiner Ernährung machen Obst & Gemüse, Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte und Reis aus. Ich halte überhaupt nichts von übertriebenen Ernährungsprotokollen mit high this und low that und timing usw und halte mich immer mehr fern von dem ganzen Quatsch der hauptsächlich aus den USA zu uns rüberkommt. Meiner Meinung nach ist der wichtigste Faktor das bereits erwähnte real food. Darüber hinaus ist alles sehr individuell und schwer zu pauschalisieren. Jeder muss für sich selbst herausfinden was ihm gut oder weniger gut tut, in welchen Mengen und wann es am besten vertragen wird. Das ist harte Arbeit aber man kommt nicht drum herum. Steve Maxwell hat kürzlich in einem Tweet folgende Aussage gemacht:  „One man's antioxidant is another man's inflammation.“ Das trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt.

Was erachtest du in punkto Training als DEINE „Big-Money-Übungen“?

Die Übung die mich im letzten Jahr am weitesten vorangebracht hat ist definitiv Crawling in all seinen Varianten. Ich habe selten eine Übung praktiziert die so viel Übertrag auf sämtliche Bereiche im Training hatte. Darüber hinaus bin ich begeistert von Handständen (und Varianten davon) und die zahlreichen Möglichkeiten und Überträge die sich daraus ergeben. Ohne eine Squat- bzw. Lunge- Variante, und wenn es nur das Rasten im ATG Squat ist, geht es meiner Meinung nach auch nicht. Last but not least muss natürlich noch der König der upper body pulls erwähnt werden, der Klimmzug (natürlich wieder in all seinen Variationen), besonders möchte ich hier das Seilklettern hervorheben. All die von mir erwähnten Übungen haben einen gemeinsamen Nenner: man kann (und sollte) sie immer komplexer machen. Das ist mittlerweile in meinem eigenen Training durch den Einfluss von Leuten wie Portal und Sommer ein extrem wichtiger Faktor geworden, dem Gehirn Nahrung durch immer komplexere Übungen zu geben. So bleibt das Training auch spannend und es kommt neben Intensität und Volumen noch eine weitere Challenge hinzu.

Wohin geht bei dir die Reise die nächsten Wochen, irgendwelche Schwerpunkte die du setzt?

Auf konkrete Ziele will ich nicht eingehen, da ich diese erst verwirklichen möchte.  Ich arbeite zur Zeit sehr viel an meiner Handstandline und Mobility spielt eine sehr, sehr wichtige Rolle, da sie freie, komplexere Bewegungsabläufe überhaupt erst ermöglicht. 

Was wäre in Zeiten der Masseninformation und des allmächtigen Internets dein Rat an einem, der ganz frisch zum Training kommt?

Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig sich eine Basis in Physiologie, Anatomie und grundlegender Trainingslehre anzueignen. Dadurch bekommt man schon einen relativ guten „Bullshitfilter“. Sich konkrete Ziele zu setzten und zu wissen was man wirklich will ist auch ein wichtiger Faktor. Denn letztendlich kräht kein Hahn danach ob man diese oder jenen Grundübung, die ja ach so wichtig ist macht oder nicht, wenn man sich über die Konsequenzen und seine eigenen Ziele bewusst ist. Es ist zwar abgedroschen bzw. schon tausendmal gesagt worden, aber klarerweise ist auch Kontinuität im Training sehr wichtig. Wenn man ständig von einem Programm/von einer Philosophie zur nächsten wechselt wird man nicht weiter kommen. Viele suchen ständig nach dem nächsten, noch viel besseren Programm welches noch dazu auch noch viel einfacher erscheint und erreichen so nie etwas.

Wieviele Stunden in der Woche investierst du etwa in Training?

Das variiert sehr stark, aber ich komme im Durchschnitt auf ca. 2-3 Stunden/Tag, 6 Tage die Woche. Davon ist natürlich ein großer Teil auch Mobility und weniger intensives Training. Darüber hinaus verbringe ich seit einem Jahr fast täglich eine halbe Stunde (über den Tag verteilt) im Squat und lese dabei, trinke Kaffee usw…  

Welche drei Bücher kannst du empfehlen, egal ob Training, Ernährung oder Mentales?

Im Trainingsbereich ist es definitiv das Buch Original Strength von Tim Anderson. Man mag über den Schreibstill sagen was man will aber das System funktioniert großartig und hatte einfach einen riesen Einfluss auf mein Training.

Ich meide es schon seit längere Zeit noch irgendwelche Bücher über Ernährung zu lesen.

Auf der mentalen Seite ist ein Buch welches mir sehr gefällt und auf viele Bereiche des Lebens anwendbar ist Antifragilität von Taleb. Seine Ideen werden nicht umsonst von wie Portal, Wolf usw. in höchsten Tönen gelobt.

Ich bin ein großer Fan von Reisen und Expeditionen aus früheren Zeiten, zwei Bücher die mir in letzter Zeit besonders gut gefallen haben sind „Zum heiligsten Berg der Welt“ von Herbert Tichy und „Kon-Tiki“ von Thor Heyerdahl. Aus solchen Büchern kann man unglaublich viel interessantes Wissen heraussaugen, selbst was die drei oben genannten Bereiche angeht.

Welche Vorbilder hast du bzw. Mentoren, die dich anspornen?

Es ist natürlich kein Geheimnis, dass mich Ido Portal sowie Coach Sommer sehr stark beeinflusst haben.  Auch Thomas Kurz mit dem ich sehr viel Kontakt hatte ist ein großes Vorbild für mich. Man muss aber nicht immer in die Ferne schauen und das ist mir auch wirklich wichtig zu betonen, Trainingskameraden wie Du, Karl, Thomas und Alex aka Onearmchinner motivieren mich ungemein und ich konnte bzw. kann von euch allen durch zahlreiche gemeinsame Trainingseinheiten und ständigen gegenseitigen Austausch unheimlich viel lernen und für mein Training mitnehmen, und zwar ehrlich gesagt weit mehr als von jedem dieser Gurus.

Kommentare:

streeter hat gesagt…

Hallo Dominik,
vielen Dank für das interessante Interview!!! Wer Deinen Blog, den vom Thomas und vom Alex aufmerksam liest, bekommt so viel Wahrheiten und Infos kostenlos zur Verfügung gestellt!!!
Meine Hochachtung hier für und nochmals danke für die Zeit die Du investierst!!!
Grüße aus Garmisch, Dieter

Naturtraining.net hat gesagt…

Danke Dieter für deinen Support!

Für Leute wie dich mach ich das Ding auch.

Hau rein und bis hoffentlich bald

Lars Frankfurter hat gesagt…

Also, ich habe mich bei Dominik gemeldet um nachzufragen wo das Interview bleibt. Wenn dich das auf die Palme gebracht hat tuts mir echt leid. Ich habe mich so sehr auf das Interview gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Einfach deshalb weil mein einstieg in GS und dann später alles andere Olivers YouTube Videos waren.
Oliver, liest du mit? Denn ich hab ne Frage: wie baust du das krabbeln ein? Als einzelne Einheit oder mehr über die Wochentage verteilt? Welche Möglichkeiten nutzt du um seilklettern komplexer zu gestalten? Ich bin da etwas fantasielos....danke! Danke auch nochmal an Dominik. Bitte weitermachen und nicht jedes Wort gleich böse nehmen,bitte.