Freitag, 15. August 2014

Interview Thomas Wulff - der aufsteigende Athlet


Einen Kerl, den ich nicht mehr als Trainingskameraden aber auch mittlerweile guten Freund missen möchte, ist Thomas Wulff. Bescheidener, ruhiger Kerl, der es aber so richtig drauf hat. Fachlich, wie auch in athletischer Hinsicht. Ein Typ, der aus dem Nichts auftaucht und sofort Wellen schlägt. Ein multifunktioneller Sportler, der auf dem Weg nach vorne ist in vielen Bereichen! Wer ohne spezifisches Training fast einen Dreier-COC-Gripper zumachen kann und vieles mehr, der hat enorme Talente auch. Sein Blog http://trainingsnomaden.blogspot.com ist nach mehreren Monaten Bestehen bereits eine Fundgrube an Praktiker-Wissen. Ein Blick dorthin lohnt sich. Wer ihn mehr kennenlernen will, kann ihn dies nun auch hier in diesem Interview tun. Vorhang auf:

Deine Website oder wo kann dich der Leser erreichen?
http://Trainingsnomaden.blogspot.de
Email: Trainingsnomaden et gmail punkt com

Daten und Fakten zu dir?
Aktuell 27 Jahre 1,88 Meter groß, 85-90 kg Gewicht

Ich kenn dich nun seit November 2013 persönlich und will dich nicht mehr missen. Erzähl dem Leser aber selbst, wie du zum Training gekommen bist, deine Anfänge und alles weitere?
Angefangen hat es mit einer aktiven Kindheit.Über die üblichen Verdächtigen Fussball,Tennis bin ich dann zur Leichtathletik gekommen und für einige Jahre geblieben.Von 13-15 habe ich recht intensiv mit Breakdance beschäftigt bis ich dann den Sport gegen absolute Untätigkeit und das Sofa eingetauscht habe.Wieder aufgerafft habe ich mich dann mit ca. 16- 17 und für 2 Jahre sehr intensiv Teakwondo, Kickboxen und Training mit dem eigenen Körpergewicht betrieben. Hier ist eigentlich der Ausgangspunkt gewesen für den Weg den ich bis heute verfolge auch wenn bis 21 nochmal alles an den Nagel gehängt wurde. Zu besagter Zeit hat mich schon immer einfaches Training fasziniert. Besonders auch selbstgebaute Trainingsgeräte standen schon immer hoch im Kurs. Daraus hat sich irgendwie auch eine Begeisterung für die Methoden und Mittel der alten Generation entwickelt. Vor ca. 6 Jahren klappte dann der letzte Absprung. Seither bin ich ohne größere Unterbrechung aktiv. Zu diesem Zeitpunkt entdeckte ich das Klettern für mich. Damit bin ich dann über die Jahre langsam wieder zu Kräften gekommen. Zurück auf dem Pfad der Tugend hab ich dann auch das körperliche Training wiederentdeckt. Vom BWE-Training ausgehend hab ich dann nach und nach meine alten Trainingsgeräte wieder entstaubt und verfolge mittlerweile einen vielseitigen Ansatz. Wie schon erwähnt hat es mir auch und vor allem die alte Schule angetan. Seit November 2013 habe ich mich dann mit dem Eisentraining angefreundet. Aktuelle Herausforderung für mich ist es die Brücke zwischen Powerlifting, Gewichtheben, Turnen, Griffkrafttraining, Klettern usw. irgendwie zu meistern. Im Grunde kann ich mich für fast jede Art der körperlichen Ertüchtigung begeistern und bin gespannt wohin mich diese Reise führt. Nachdem ich nun eine gewisse Kraftbasis besitze werde ich mich demnächst intensiv mit Olympischem Gewichtheben beschäftigen. Daneben versuche ich mir meine Turnerische Kraft zu erhalten und Plane vor allem dem Seilklettern besonders nachzugehen. Ich habe sicherlich noch das ein oder andere Auf und Ab vergessen. Irgendwo dazwischen hab ich auch noch meine Physiotherapie-Ausbildung abgeschlossen und ein Sportstudium begonnen.

Du hast mir einmal erzählt, dass du auch Low-Carb eine zeitlang unterwegs warst. Bist du das noch immer oder wie sehr hat sich deine Ernährung im Laufe der (Trainings)jahre verändert bei dir?
Ganz früher war das Recht chaotisch. Sagen wir mal von Binsenweisheiten und Informationen aus der Fernsehzeitung geprägt. Dann kam die „ALL U CAN EAT“ Phase in der ich mir mal ca. 95 kg angefressen hab. Auf den Low Carb Zug aufgesprungen bin ich dann Anfang 2013. Innerhalb weniger Monate hat sich mein Gewicht dann bei knapp über 80 kg eingependelt. Da kam dann allmählich auch die Kehrseite der Medaille zu Tage. Leistungsabfall, Kältegefühl, Schlafprobleme usw. Wendepunkt war dann sicherlich unser Aufeinandertreffen im November des gleichen Jahres. Du bist ja schon jeher einer der wenigen der bei der Verteuflung von einzelnen Makronährstoffen auf die Barrikaden gegangen ist. Gewusst wann und warum können Kohlenhydrate Wunder für das Wohlbefinden, die Leistung und Regeneration bewirken. Kurz gesagt wie übrigens schon damals in meinem Revier der Naturwerkstatt. http://trainingsnomaden.blogspot.de/2013/12/gegenwart.html Deine Tipps haben die vielleicht gravierendsten Veränderungen bewirkt. Seitdem hat sich eigentlich alles nur noch mehr vereinfacht. Wenn irgendwie möglich esse ich saisonal, regional, ökologisch und aus artgerechter Haltung. Idealerweise traditionell zubereitet. Das heisst auch das ich viel koche und um Fertigprodukte einen Bogen mache. Vor Innereien und Knochenbrühe habe ich genau so wenig Angst wie vor gesättigtem Fett oder Kohlenhydraten.

Was erachtest du in punkto Training als deine „Big-Money-Übungen“?
Seilklettern, Frontkniebeugen, Muscleups wenn ich mich auf Drei beschränken müsste. Da ich das glücklicherweise nicht muss, würde ich noch Farmerswalk, Sprints und Trapbarkreuzheben hinzufügen. Könnte da noch einige ergänzen, denke aber Big Money gibt es immer bei Übungen die einem besonders schwer fallen. Das ist auch irgendwie eine wichtiges Trainingsmantra für mich geworden. Solange an einer Schwäche arbeiten bis sie zu einer Stärke wird. Wer mich nicht kennt weiß ja was aus Griffkraft, Muscleups und Co geworden ist.



Wohin geht bei dir die Reise die nächsten Wochen, irgendwelche Schwerpunkte die du setzt? Definitiv das Gewichtheben. Daneben wie Grad erwähnt die nächste Schwäche ausmerzen. Den unteren rücken. Idealerweise schaffe ich es daneben noch mich auf einen Seilkletterwettkampf für nächstes Jahr vorzubereiten. Think Big ist mein Motto. Daher soll alles andere nicht zu kurz kommen und vor allem meine Griffkraft soll wieder dahin wo sie im März gestrandet ist.

Was wäre in Zeiten der Masseninformation und des allmächtigen Internets dein Rat an einem, der ganz frisch zum Training kommt?
Sehr interessante Frage. Ganz klar Informationen filtern und sich von Leuten ferngehalten die einem den heiligen Gral versprechen. Idealerweise orientieren an Methoden und Leistungen vor der Steroidära Daneben ganz wichtig viel selber ausprobieren, unbedingt Spaß haben und nach gleichgesinnten Ausschau halten. Ausserdem mal gucken was man vor Ort so an Gewichthebe- und Turnvereinen zu Verfügung hat bevor man den Gurus sein Geld in den Rachen wirft. Es gibt ja ein Sprichwort das besagt, in jeder Stadt ist jemand von dem Du lernen kannst. Oft leiten diese Vereine alte Haudegen mit Tonnen von Erfahrung und Mangel an Mitgliedern. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, lernt von Leuten die lange im Geschäft sind. Irgendwas machen die richtig. Ach ja mein Blog (oder deiner!) will ich hier jetzt nochmal ganz uneigennützig empfehlen. Ich versuche da genau solche Informationen zu kanalisieren.

Wieviele Stunden in der Woche investierst du etwa in Training?
Schwer zu sagen. Ist alles eher outcome abhängig. Ich versuche täglich kurz zu mobilisieren und meine eingeschränkte Beweglichkeit zu erhalten. Dazu 1-2 x pro Woche um eben diese zu erweitern. Dann kann es sein, dass ich noch 2-5 Einheiten aus Krafttraining, Konditionstraining und Klettern durchführe. Wenn man Wandern, Radfahren und sonstige Aktivität noch dazurechnen will, kommt sicher manchmal ordentlich was zusammen.

Welche drei Bücher kannst du empfehlen, egal ob Training, Ernährung oder Mentales?
Trotz aller Kritik unbedingt:“Overcoming gravity“ von Steven Low „Nourishing traditions“ von Sally Fallon Dazu „advances in functional training“ von Michael Boyle. Auch wenn sich das brauchbare auf wenige Informationen beschränkt sind diese umso wertvoller für mich gewesen.

Welche Vorbilder hast du bzw. Mentoren, die dich anspornen?
Mir ist es neulich wieder in Erinnerung gekommen. Früher hab ich immer gesagt wenn ich mal groß bin will ich so stark werden wie du oder Karl Humer. Bis das erreicht ist motiviere ich mich z.b. durch Leute wie euch . Grundsätzlich sind es allen voran Trainierer aus Leidenschaft, idealerweise bescheiden dazu. Neben euch fallen mir da spontan Leute wie Kollege Janis oder ein Johann Martin ein. Leute die ihre Leidenschaft leben egal ob Sport oder sonstwas. Oft neben Beruf und stressigem Alltag.



Der Kerl steht absolut für das was ein Mentor für mich verkörpern sollte. Einfaches, vielseitiges, ehrliches Training kombiniert mit einer sozialen Ader und dem Drang vor allem anderen Menschen zu helfen und sie zu motivieren. Mich motiviert im Grunde aber vor allem auch, wenn ich es irgendwie mal schaffe Leuten zu helfen. Oder sie zu motivieren. An dieser Stelle Danke für die Fragen und auch Danke an alle meine Leser für das konstruktive Feedback und den Support!

Nächste Woche folgt: Oliver Klettner - das ultramobile Powerhaus

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