Freitag, 29. März 2013

Alte Zeilen, neues Wissen


Nicht nur Training ist wichtig, auch Weiterbildung. Täglich lese ich im Zug, vor dem Schlafengehen, oder beim Morgenkaffee Stunden in Büchern, Fachwerken, im Internet oder höre bei Spaziergängen Podcasts, die mir neue Infos liefern. Ich bin ein Besessener, aber im positiven Sinne. Klar, der Informationsfluss heutzutage ist fast schon zu viel, aber man lernt über die Zeit, das wichtige herauszufiltern und das herauszunehmen, was persönlich für einen wichtig ist. Vor allem aber lese ich gerne in alten Werken. Denn das Rad wird oftmals heute nicht neu erfunden, nur in neuer Verpackung geliefert.

Bei meinem USA-Besuch vor vier Monaten hab ich im größten Gebrauchtbuchgeschäft der Welt in Portland (Oregon) einige alte Schinken ausgegraben, Trainings- und Ernährungs-Bücher, die es nicht mehr käuflich sonst wohl zu erwerben gibt. Übergepäck war also vorprogrammiert :-)! Aber es hat sich gelohnt.

Unter anderem war auch ein Werk eines gewissen Dan Duchaine dabei. Sagt sicherlich keinem hier was, so ehrlich darf man sein. Dabei war der Mann einer der wegweisenden Leute im Fitness- und Bodybuildingbereich. "Steroid Guru" wurde er vielfach genannt, mit der dunklen Seite des Sport habe und werde ich nie was am Hut haben, interessiert mich auch nicht - Naturtraining rules! Aber Duchaine, der leider zu früh verstorben ist, war auch in vielen anderen Bereichen seiner Zeit weit voraus. Er schreibt in diesem 90er-Jahre-Buch schon von Whey-Protein, lobt die Vorzüge usw. - er erwähnt Diät-Systeme, die heute en vogue sind. Damals wurde er dafür gesteinigt.

Immer wieder witzig, wenn man die Zeilen in alten Büchern liest.

Dr. Ken Leistner schrieb schon in seinem 80er-Jahres-Newsletter von Kettlebells. Lange bevor der Mainstream um die Jahrtausendwende die Eisenkugeln wieder aufgriff.

Ich werde auch weiterhin alte Bücher aufsaugen. Sie sind wahre Wissensquellen. Mein Wissen steigt täglich, ich lerne aus Irrtümern und das vor allem in der Praxis. Wer sich im Training nicht steigert - und auch ein Kilo oder eine Wiederholung ist im übrigen eine STEIGERUNG - der steht still. Genauso ist es beim Lernen. Wer immer das selbe macht, steht vielleicht irgendwann einmal an. Klar ist ein Running System, wie hier am Blog erwähnt, immer gut. Aber offen für neues sein, neue Sachen adaptieren - das kann auf Dauer erfrischend sein, neuen Input zulassen kann neuen Output liefern.

Bei all den Coaches und Gurus da draussen, ist immer noch der Hausverstand King. Man sollte Hausverstand zeigen bei der Trainingsplanung und man sollte das simple nicht übersehen. Wer eine Kettlebell dreimal um den eigenen Körper jonglieren kann etwa, schön und recht. Wer auf einem Gymnastik-Ball freistehend balancieren kann, auch fein. Heutzutage wird einem suggeriert, dass das toll ist und man die alten Basics ja eh nicht brauchen würde. Damit ist kein Geld mehr zu verdienen. Dutzende Systeme werden einem heute ans Herz gelegt. Warum bleibt der Athlet nicht simpel? Wer ordentlich Körpergewichts-Kniebeugen, Liegestützen und Klimmzüge hinbekommt auf höhere Wiederholungszahlen und sich dann an der Langhantel an respektable Leistungen hocharbeitet, wird nie schwächlich sein und auch so aussehen.

Wie heißt es in einem Lied vo Rage against the Machine: "Fight the war, fuck the norm..."  

Ein gutes Osterwochenende. Wer die Eier hat, trainiert zwischen Verwandtenbesuchen und Nestsuchen eifrig weiter :-)

Dominik

Kommentare:

Andreas Haas hat gesagt…

Ja das nenn ich nicht bessesen, weiterbildung gehört für eine ganzheitliche entwicklung zu den grundlagen. und wie wurde es schon so oft gesagt: der wichtigste muskel ist das gehirn!
wer mental auf der höhe ist, der schaft dann beim training vielleicht doch auch mal DIE eine wiederholung mehr...der wille ist stärker als die kraft und das bringt den wachstum mit sich.
alte bücher lesen gefällt mir auch unheimlich. das ist wie zurück in die zukunft ;)
um so älter die bücher, um so weiter ist man dem aktuellen trend voraus. zumindest habe ich da aktuell so das gefühl.
Danke dir Dominik auch für deine letze buchempfehlung der legendären trainingssysteme. ich bin gerade etwas am kränkeln und die zusätzlich zeit die ich dadurch gwonnen habe nutze ich mit bücher lesen, oder sagen wir besser verschlingen!
mehr mehr mehr wissen und inspirationen. sich das beste davon herauspicken und ich finde besonders trainingsbücher motivieren immer wieder für ein kontinuierliches training. hier hätte ich noch eine frage:
gibt es das EINE buch, das man als sportlich interesierter unbedingt mindestens 1x gelesen haben sollte?
falls ja, würde ich mich über eine antwort sehr freuen!

Chinner hat gesagt…

Auch wenn Deine Frage, Andreas, schon etwas älter ist: Wenn Du ein Buch suchst, dass Du unbedingt einmal gelesen haben solltest bzw. auch besitzen solltest, dann ist es Dinosaur Training von Brooks Kubik. Dieses Buch ist unglaublich und Gold wert.