Sonntag, 4. März 2012

Vergessene Trainingssysteme, Teil III

Ich lese eine Menge derzeit über die Leute aus den 50ern, 60ern und 70ern, telefoniere oder kommuniziere via Email mit einigen Zeitzeugen, mache Interviews mit ihnen, sammle alte Literatur und komme immer mehr zur Erkenntnis, das vieles, was damals trainiert und gegessen wurde, auch heute noch enorm viel Sinn macht. Die Einheiten damals waren schweißtreibend, hart und am Esstisch gab es "real food", wenig bis gar keine Supplemente, sondern richtiges, vernünftiges Essen!
Ein wahrscheinlich wenig bekannter Mann namens Eddie Giuliani (im Bild oben zu sehen) hat mich Freitag zu einer brutalen Einheit inspiriert. Giuliani ist der Mann, der Arnold im hoffentlich bekannten Film "Pumping Iron" in einer Szene im Gym in die Arme springt. Ein harter Mann, großteils seiner Karriere natural unterwegs. In einem alten Buch, das ich damals in Kalifornien erstanden habe, fand ich eine Trainingsroutine für den Rücken, eine Partie, für die Giuliani bekannt war. Er hat seine Hinterseite mit einer brutalen Intensitätstechnik, den sogenannten "Giant Sets" bearbeitet. Vier Übungen hintereinander ohne Pausen durchgeführt, fünf Serien insgesamt. Hier das von mir ausgeführte Beispiel, alle Übungen am Stück ausgeführt:


- Rudern Langhantel, einarmig 10 Wiederholungen
- Klimmzüge, ganz weiter Obergriff 12 Wiederholungen
- hängendes Rudern am Seil 12 Wiederholungen
- Shrugs Langhantel 20 Wiederholungen

danach kurze Pause und weitere vier Durchgänge. Danach ist Blut im Rücken, garantiert. Intensität ist wichtig, um Erfolg im Training zu haben. Danach hab ich noch weitere weit gegriffene Klimmzüge gemacht, die Inch-Hantel gerudert und dann noch die Arme bearbeitet, Giuliani hat meist die Arme noch zum Rücken dazu gepackt in seiner Einheit. 6 Tage die Woche Training, also ein Tag Rücken/Arme, ein Tag Beine, ein Tag Schultern/Brust und dann das ganze noch einmal. Angst vor Übertraining gab es damals nicht und um es mit einem bekannten ehemaligen Ruder-Nationltrainer in Österreich zu halten: "Zum Weltmeister hat sich noch keiner regeneriert".... Klar hat der Tag nur 24 Stunden und es gibt vieles andere zu tun, aber wer Zeit aufbringt, wird auch Ergebnisse ernten. Mehr ist nicht immer mehr, aber zu wenig ist sicher auch nicht besser!

Wer mehr Interesse an Giuliani hat, Ric Drasin hat mit ihm einige tolle inspirierende Interviews geführt. Ein ganz Großer mit viel Humor:
http://www.youtube.com/user/ricdrasin/search?query=giuliani

P.S.: Als Beispiel, was damals auf den Tisch kam. Zum Frühstück vor dem Training trafen sich Giuliani, Arnold und Co. meist im Restaurant "Zucky's Delikatessen" (dort durfte ich ebenfalls schon leckere Sachen genießen). Gemampft wurde Cottage Cheese, Hamburger Pattys (Faschiertes also) und Eier. Nicht schlecht würde ich sagen. Schade, dass in unseren Breiten ein ganz anderes Frühstücksverständnis herrscht...

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