Freitag, 10. Februar 2012

Vergessene Systeme, Teil II



Seine Konkurrenten waren schockiert, als er 1966 beim AAU Mr. America Contest auf die Bühne kam. Bob Gajda (siehe Bild oben überraschte alle mit einer Definition, die seinesgleichen suchte. Herausgemeißelt hatte er die mit einem Trainingssystem, dass etwas anders war als die bisherigen. PHA wurde es genannt, was für "Peripheral Heart Action" steht. Kurz erklärt der Sinn dahinter. Man geht back to back durch mehrere Übungen ohne Pause dazwischen. Also eine Art Zirkeltraining. Wer nun glaubt, das hätte Crossfit erfunden oder so, der sollte schleunigst Geschichte lernen. Dem ist nämlich nicht so!


Das PHA-System erfand der Arzt Arthur Steinhaus schon in den 40ern. Gajda machte es mit seinen Erfolgen später populär, der legendäre Schreiber John McCallum ("Keys to Progress") half ebenfalls mit seinen Artikeln mit, dass es viele Athleten anwendeten. Der ehemalige olympische Gewichtheber Gajda hatte dabei aber keinen Pump oder sonstwas im Auge. Es wurden immer Übungen zusammengesetzt, die einzelne Körperpartien beanspruchen. Hier ein Beispiel für eine derartige Sequenz:


- Kniebeuge hinten 1x5


- Reverse Curl 1x10


- Sit-Up 1x10


- stehendes Langhantel-Drücken 1x8


oder


- Reißen mit der Lanhantel 1x3


- Crunch 1x10


- Bankdrücken 1x8


- Nackenübung 1x15


davon 5 Umläufe, die Übungen werden im Zirkel wie gesagt back to back absolviert. Das bringt neben dem Muskeln auch das Herz ganz schön ins Arbeit, man schlägt also ähnlich wie bei Complex-Übungen zwei Fliegen mit einer Klappe. Drei- bis fünfmal die Woche hat so ein PHA-Training Sinn, man sollte nicht länger als 60 Minuten jeweils trainieren.


Die Champs der 40er, 50er und 60er aber auch der 70er trainierten immer relativ zügig und schnell, machten Supersätze und wenig Pause zwischen den einzelnen Sätzen. Vorteil darin: man braucht weniger Zeit und noch viel besser, man hat auch gleich Cardiotraining mit dabei. Kein einziger dieser Kerle verbrachte wirklich viel Zeit mit Laufen oder Radfahren. Zwar gab es welche, die Strandläufe unternahmen, doch wie sagte Ex-Mr. Olympia Frank Zane einmal: "Erste Priorität hat bei uns das Eisen. Alles andere ist spielerische Zugabe".

Viele lachen heute auch über Maschinen und das funktionelle Training (wenngleich es oft nichts mit Funktionalität zu tun hat) wird über alles gelobt. Aber man probiere nur mal aus, zwischen guten Maschinen (die alten, rustikalen Hammer-Strength-Sachen etwa sind gold) back to back ohne Pause hin und herzugehen und Sätze zu absolvieren. Das fordert mörderisch, die HIT-Leute um Arthur Jones haben hier grausame Sachen oft absolviert, zu denen nur wenige imstande waren. Aber das ist Teil einer anderen Geschichte...


Bis dahin, Teil III folgt bestimmt, ein gutes Wochenende und gebt Gas, probiert mal auch solche alten Erfolgssysteme, nicht nur das, was heute von vielen als neu verkauft wird, ist auch wirklich neu, sondern einfach nur neu verpackt und reißerischer geschrieben! Im Endeffekt wollen diese Leute dann nur Kohle damit machen und haben es selbst nie ausprobiert. Hört nur Leuten zu, die ebenfalls die Praxis leben oder erlebt haben...


P.S.: Hier noch ein super Artikel von Dennis B. Weis, ein langjähriger Chef-Schreiber für Strength&Health und nicht nur ein Theoretiker, wie 140 Kilogramm in der Kniebeuge auf 75 Wiederholungen beweisen:
http://www.dennisbweis.com/Aug08articles/ARevisitWithThePHASystem.html

Ihn konnte ich ebenfalls für ein Interview für www.power-quest.cc gewinnen. Und klar, dass wir auch über PHA sprachen.

1 Kommentar:

Janis Rajaonarivelo hat gesagt…

Super Artikel Dominik!

Wie immer, sehr gut recherchiert.

Der Artikel von Dennis ist auch super nachvollziehbar.

Für viele bietet diese Form von Training die Möglichkeit der Monotonie im Training zu entfliehen.

Das Einzige das zu beachten gilt ist wie immer, Bitte auch anwenden!!!