Mittwoch, 14. Oktober 2009

Griffkraft-Training der alten Schule - und warum Arbeit stark macht



„Être fort pour être utile – Sei stark, um nützlich sein“

Georges Hébert, Begründer der “Methode Naturelle”

Die Aussage dieses in meinen bescheidenen Augen bedeutenden Franzosen trifft es auf den Punkt. Es ist eines der fundamentalen Eckpfeiler, warum man trainieren sollte. Man sollte stark werden, um damit helfen und arbeiten zu können. In früheren Zeiten war die harte, körperliche Arbeit Training genug. Heutzutage geht es nur mehr Arbeitern so, dem Großteil aber nicht mehr. Wer acht Stunden und mehr täglich im Büro sitzt, sollte sich Ausgleich suchen. Dass das aber nicht heißt, danach weitere vier Stunden vor dem Fernseher zu sitzen, sollte klar sein. Bewegung ist wichtig für den menschlichen Körper!

Ich arbeite die letzten Wochen verstärkt auf Baustellen. Einerseits der meinigen – ich bau mir ein kleines, neues Trainingsgebäude für den Winter – andererseits sind auch Freunde und Trainingspartner von mir mit dem Bauen beschäftigt. Stört mich das? Nein, ganz im Gegenteil! Körperliche Arbeit ist das beste Training, das es gibt. Dazu steh ich. Ich habe schon früher liebend gerne meinem Großvater in der Landwirtschaft in jeder freien Minute geholfen, gehe heute noch gerne mit meinem Onkel in den Wald arbeiten und auch auf Baustellen gibt es immer nette Sachen zu tun. Schwere Betonkübel tragen ersetzt den Farmer’s Walk, sie auf ein Gerüst heben ist wie eine Hantel umsetzen, schwere Holzplanken tragen ist Krafttraining mit Konditionsaspekt pur. Wer noch dazu stundenlang schaufelt, wird merken, dass der Körper eine Einheit ist. Es gäbe noch so viel mehr Beispiele.

Wer es nicht glauben will: Einfach mal probieren. Man wird schnell merken, dass ein Tag auf der Baustelle stärker sein kann, als das härteste Training, für das man sich noch am Samstag vor Kollegen gerühmt hat!

Der Übertrag von körperlicher Arbeit auf Training ist oft ein besserer als umgekehrt. Das sehe ich an einigen meiner Trainingspartner. Diese Leute sind auf einem sehr hohen Grundniveau, die Kraft eine um vielfach höhere als Leute, die oft schon jahrelang in ein Studio gehen! Das dürfte schon seine Gründe haben.

Bisweilen komme ich bei der Arbeit oft auch auf nette Trainingsideen. Oder erinnere mich an alte, die schon früher Bestand gehabt haben, aber leider nun in Vergessenheit geraten sind. Der „plank snatch“ etwa, zu Deutsch „Holzplanken reißen“ (siehe Video oben). Ich habe darüber erstmals in einem alten Strength&Health-Magazin aus den 50er-Jahren gelesen. Die Saxon-Brüder, die wirklichen Krafttrainings-Fans ein Begriff sind, waren berühmt darin. Die Aufgabe dabei: Einen schweren Holzplanken mit eisernem Griff zu packen und in einer Bewegung nach oben reißen, wie es ja auch mit der Langhantel der Fall ist. Doch den Planken ballistisch nach oben zu hieven und ihn dabei nicht auszulassen, ist schwieriger, als es den Anschein vielleicht hat. Doch damit wird eine mörderische Griffkraft entwickelt. Bergleute aus meiner Gegend haben wahre Wettbewerbe darin abgehalten. Wer kann den schwereren Holzplanken reißen.

Bei der nächsten Gelegenheit, die sich bietet, probiert das mal aus. Eine wahrlich nette Übung, die massiv starke Hände trainiert. Man lässt so schnell nichts mehr fallen. Und wandelt dabei in den Spuren alter Strongmen!

In Stärke und Gesundheit,

Dominik

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