Freitag, 5. Juni 2009

Eine Rohkraft-Geheimwaffe und Dan John





„Das Gehirn ist der wichtigste Muskel beim Klettern“ – Diese Aussage tätigte der Ausnahmeclimber Wolfgang Güllich einmal. Und traf es dabei fast auf den Punkt. Aber nur fast. Denn der leider viel zu früh bei einem tragischen Autounfall verstorbene Deutsche wusste auch, dass alle anderen Muskeln enorm wichtig waren, wenn man erfolgreich an der Wand sein wollte – ein Beweis dafür ist nicht zuletzt das ganz unten am Blog-Ende gezeigte Foto, dass einen Güllich in bodybuilding-verdächtiger Form zeigt. Eine Trainingsart, die er populärer machte und die auch Nicht-Kletterern gewaltige Zuwächse an Oberkörper-Rohkraft bringt, ist das Campusboard. Wolfgang Güllich und sein Kletter-Kumpane Kurt Albert hatten als erste ein derartiges Trainingsbrett im namensgebenden Fitnesscenter „Campus“ in Erlangen benutzt. Und die Fotos in der Vorbereitung für „Action Directe“, eine bis dahin für unmöglich zu klettern erklärte Route, machten das Campusboard dann weltweit bekannt. Güllich trainierte auf den schmalen Holzleisten, wo nur das erste Fingerglied Halt findet, oft auch einfingrig! Was für Kraft dafür nötig ist, braucht man glaub ich nicht näher erklären!



Ein solches Board nützt auch mein langjähriger Kamerad und Podcast-Partner von http://www.power-quest.cc/, der Weltcup-Kletterer Jürgen Reis zur speziellen Entwicklung starker Finger und explosiver Körperkraft. Es hängt im Landessportzentrum Vorarlberg in Dornbirn. Ich habe das Campusboard erstmals vor eineinhalb Jahren bei meinem ersten Trainingslager-Besuch im „Ländle“ selbst ausprobieren dürfen und habe mich sofort in dieses gewaltige Tool verliebt.

Nun durfte ich ihn beim „3. Power-Quest Trainingslager“ erstmals bei seiner Arbeit filmen!
Einheiten darauf sind aber alles andere als ein Zuckerschlecken. Nur mit System und Bedachtheit sowie absoluter Fokussierung ist es möglich, dieses erfolgreich zu bewältigen. Pump-Aktionen und Juxerei sind bei einem solchen Brett nicht erlaubt. Was auch im Video eindrucksvoll zu sehen ist. Jürgen Reis lässt sich bei solchen Einheiten auf keine Spielereien ein, konzentriert geht er ans Werk – knallharte, schnelle Action. Clarence Bass, der auch mit über 70 Jahren noch fitte US-Fitness-Guru, hat Jürgen ebenfalls schon einmal bei einer dieser Einheiten zugeschaut und dann in einem seiner zahlreichen Bücher sogar davon berichtet. „Jürgens Performance am Campusboard waren für mich eine der größten Leistungen in Bezug auf Oberkörper-Kraft, die bisher je gesehen habe“, schrieb Bass damals. Jürgen nimmt im Video sogar noch eine 15 kg schwere Gewichtsweste – Brutal. Denn Blei ist Gewicht, dass nicht mitwirkt, wenn es hochgezogen werden will.

Danach war aber nicht den restlichen Tag Sendepause. Jürgen hat die Einheit um 6.30 Uhr durchgezogen, danach ist er in die Kletterhalle K1 in Dornbirn weiter gejoggt. Dort standen weitere drei Stunden Quality-Training am Programm. An weltcuptauglichen Routen, die Jürgens Kollege, der starke Speed-Kletterer Mark Amann, knifflig gesetzt hat. Jürgen gelang dort by the way am Donnerstag ein neuer Rekord. Gut, dass ich das gefilmt habe (dieses Video gibt es ebenfalls in Kürze zu sehen in der Fortsetzungs-Story vom Trainingslager).

Ich habe mir vor einigen Monaten mit Hilfe meines verlässlichen und ebenfalls griffkräftigem Trainingskameraden Karl Humer selbst ein Campusboard erbaut. Es hat mich wie so viele Sachen in meinem Naturtrainingszentrum keinen Cent gekostet. Nur etwas Arbeit und Kreativität! Hergeben würde ich es nicht mehr. Der einarmige Klimmzug fällt mir seither noch viel leichter und auch beim Seilklettern merke ich deutlich mehr Explosivität. Starke Finger und Arme sind auch etwa beim Kettlebell-Training mit hohen Wiederholungen (Snatches, Swings,..) unerlässlich. Das Campusboard formt dabei Finger aus Stahl! Aber es ist kein Spielgerät. Schon einige haben sich bei mir an diesen unscheinbaren Brett versucht und haben schnell gemerkt, dass solche Kunststücke, wie Jürgen sie im Video vollführt, nicht von Vornherein einfach von der Hand gehen. Wie viele andere Dinge im Krafttraining eben auch!

Wer Interesse an Griffkraft hat, die einem das Händeschütteln in Zukunft oft erspart, sollte sich für mein „Gorilla Camp“ am 25. Juli hier in Thomasroith anmelden. Auch dort werden wir unter anderem das Campusboard, meine absolute Geheimwaffe für unmenschliche Griffkraft, austesten. Nebenbei macht dieses Training trotz hoher Anstrengung viel Spaß!

Das garantiere ich, HANDS ON,

Euer Dominik



P.S.: Wollt ihr einen starken und genauso weisen Mann hören. Ich hatte vor kurzem die Ehre, mit Dan John ein Interview für http://www.power-quest.cc/ zu führen. Vor wenigen Tagen wurde es nun auf unserer Plattform veröffentlicht!

Dan John ist einer der absoluten Größen im amerikanischen strength&conditioning-Field und ein prima, netter Kerl obendrein. Auf seiner Homepage http://www.danjohn.org/ gibt es Menge Downloads und das noch dazu gratis, etwa auch sein gewaltig gutes Buch „From the Ground up“, das ich jedem ans Herz lege. Ein Wahnsinns-Werk! Sein „Get-Up-Newsletter“ ist obendrein ein Hit.

Dan hat nun aber auch ein weiteres Buch veröffentlicht mit dem Namen „Never let go“. Es ist vor wenigen Tagen rausgekommen, ich habe mir sogleich eines bestellt! Es ist hier erhältlich! Ich halte meines mittlerweile in den Händen und lass es so schnell nicht mehr aus.

Hört euch diesen Mann an, er hat einiges zu sagen und spricht aus Erfahrung. Im Gegensatz zu vielen selbsternannten Gurus oder Möchtegern-Experten hat dieser Coach jahrzehntelange Praxis auf dem Buckel und selbst tolle, sportliche Leistungen erbracht auf dem Gebiet des Olympischen Gewichthebens, Highland-Games und der Leichtathletik.

Ich bin stolz auf dieses Interview und es hat auch Dan Riesenspaß gemacht, wie er mir versichert hat.

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