Donnerstag, 6. November 2008

Körperliche Arbeit = Training

Ich habe meinen Großvater miterlebt, wie er zwei etwa 40 Kilogramm schwere Hafersäcke – jeden zuvor alleine auf eine Schulter umgesetzt - ohne Probleme auf einen Anhänger gehievt hat. Ich habe gesehen, wie er hohe Bäume ohne jedwede Sicherung hinaufgeklettert ist, um von oben nach unten zu entasten und das alles nicht mit einer Motorsäge sondern mit einer Axt. Ich habe gesehen, wie er stundenlang schwere, nasse Grasbüschel mit einer Gabel auf den Heuspeicher geworfen hat, die er vorher mit der Sense zeitig in der Früh geschnitten hat. Was das mit Training zu tun hat? Sehr sehr viel sogar. Solche Art von Tätigkeit hat meiner Meinung nach einen oft besseren Effekt auf die Allgemeinfitness denn jedes noch so ausgeklügelte Trainingssystem. Wer über Stunden Leistung bringen kann, ist auch für den normalen Alltag mehr als gerüstet. Früher haben die meisten Leute ähnlich gearbeitet. Fettleibigkeit und sonstige Probleme waren um ein Vielfaches weniger als heutzutage anzutreffen.

Ich habe letzte Woche mit einem Freund von mir, den ich seit ein paar Wochen coache, das erste Mal Kreuzheben trainiert. Er hat auf Anhieb 130 Kilogramm gezogen und das gleich dreimal. Es gibt nur absolut wenige Trainierer, die dies das erste Mal zustande bringen. Warum er das geschafft hat? Weil er als Dachdecker tagtäglich schwere, körperliche Arbeit verrichten muss.

Doch dieses „Arbeitstraining“ resultiert nicht nur in Kraftvergrößerung, sondern zeigt sich auch körperlich. Mein Großvater war kein 100-Kilo-Bodybuilder, sondern eine drahtige, kleine Gestalt. Aber er hatte Unterarme, aus denen die Adern hervorquollen und einen Rücken, um den ihn viele Schwimmer oder Turner wohl beneiden würden. Dazu kein Gramm Fett am Körper.

Dass alles war für mich auch eine Intention, heuer im Sommer auf einem Bergbauernhof in Tirol zu arbeiten. Ich wollte neben der Natur auch die Arbeit „genießen“. Und ich bin belohnt worden. Selten zuvor habe ich soviel Kraft geschöpft. Und ich nutze auch jetzt jede Gelegenheit, die sich bietet, um irgendwo körperlich mitzuarbeiten. Sei es bei einer Bekannten, wo ich im September mehrere Tage in meinem Urlaub stundenlang Erde geschaufelt habe. Oder gestern am Sportplatz vom Wind gefällte Bäume zerkleinert und in den Unterstand transportiert habe (siehe Videos unten). Es gibt kein besseres Training für mich. Und jeder der dem Film Rocky IV kennt, sieht auch Sylvester Stallone diese Art von Training im kalten Winter Sibiriens durchführen. Es wird seinen Grund gehabt haben.



Eine vertiefende Diskussion zu diesem Thema gibt es auch auf meiner Podcast-Plattform www.power-quest.cc auf Podcast 98 zu hören.

Also beim nächsten Arbeitseinsatz, zu dem der Vater oder Onkel etwa auf der Baustelle bitten, nicht Murren, sondern hinhalten. Nothing is better for raw real-life-strength!

Dominik

1 Kommentar:

Simson hat gesagt…

Hallo Dominik,
erst einmal Gratulation zum eigenen Blog, scheint ja wirklich auch bei Dir voranzugehen. Finde es klasse, dass Du Dir soviel mühe machst und voallem DRAN BLEIBST.
Würde mich freuen bald von Dir noch mehr sehen oder lesen zu können.
Vielleicht berichtest Du in einem der nächsten Artikel ja etwas genauer über Deine Trainingswoche, was Du wann machst, wie Du Deine Tage gestaltest, mit welchen Trainingssystem Du trainierst, w...
Nur als kleine Anregung, aber fände dies sehr interessant und denke auch viele weitere Leser würden dies mit interesse aufnehmen!
gruß
Simson