Sonntag, 27. November 2016

Die Latpumpe und ein Tragetier

Das Powerhaus in Hallwang bei Salzburg ist immer eine Reise wert. So auch diesmal. Und erstmals wurde ein Gerät beackert, dass so unscheinbar in einer der Ecken des Riesen-Gyms, das keine Wünsche offen lässt, steht.

Die "Latpumpe". Ein Old-School-Teil. Vor sechs Jahren in einem Vorgespräch zu einem Interview mit dem früheren Mr. Universum Poldi Merc (1964) sagte mir dieser, dass er eine gewisse "Latpumpe" für eine der besten Rückenübungen hält. Mir sagte das Ding damals nicht wirklich was. Nun, etwa sechs Jahre später weiß ich, was er meint. Unfassbarer Pump, der sich da in der Rückseite deines Körpers im wahrsten Sinn des Wortes breit macht. Die "Latpumpe" ist eine Art Klimmzug und Ruder-Hybrid, quasi ein Überzug mit dem eigenen Körpergewicht. Aber seht selbst im Video:



Und schon vor wenigen Monaten wurde ich auf das Ding nach dem Studium dieses Videos aufmerksam darauf. Ab Minute 0:50 das Review der sensationellen Pürzel-Brüder zur "Latpumpe":



By the way: Das Intelligent Strength Gym in Wien steht ebenfalls bald auf der Besuchliste. Eine Hammer-Location...

Und noch was wurde gestern im Powerhaus ersichtlich. Das mein Trainingspartner Sesi immer stärker wird. Mit 70 kg BWE ging der gestern zu den 80-Kilo-Farmers-Walk-Koffern und legte einen Spaziergang an. Das erfordert funktionelle Power und Griffkraft vom Feinsten. An den Koffern dort sind schon richtig starke Leute gescheitert. Hier das Video:



Was macht der Kerl seit einigen Wochen in regelmässigen Einheiten mit mir? Viel Körpergewichtstraining, Seilklettern und Co. - Gibt also Power für allerhand.

In dem Sinne, fight on!

Sonntag, 6. November 2016

Wettkämpfe

Aleksey Torokthiy, der Gewichthebe-Olympiasieger von 2012 und letzte Woche bei uns zu Gast, schrieb dieser Tage einen sehr guten Post auf Instagram:



"I met good people, and had the opportunity to come up on the platform and get a dose of adrenaline. Who has ever came up on the platform at least once - understands what kind of kaif I am talking about))) Well, those who hasn't experenced it yet - you SHOULD try !!!"

Wir hatten beim Abendessen nach dem Seminar ein gutes Gespräch auch über Wettkampf-Teilnahme. Er empfiehlt, egal ob Anfänger oder Profi, ob unerfahren oder nicht, die regelmässige Teilnahme an Wettkämpfen, egal welcher Art. "Du wirst nicht schwächer dadurch" sagte er unter anderem und meinte damit nicht unbedingt die physische Leistung, sondern die mentale Komponente.

Ich kann es aus meinen bisherigen Erfahrungen und die sind weit weit weit weg von dem was der Kerl durchgemacht hat schon im Laufe seiner Karriere insofern bestätigen. Es gibt unglaublich viele Trainings-Weltmeister! Doch auf der Plattform ist das eine ganz ANDERE Geschichte. Es schauen dir Leute zu, du hast am Tag X eine viel höhere Erwartungshaltung an dich selbst, gewaltige Nervosität, der Trainer schreit dir dauernd Kommandos zu und die Hantel fühlt sich komplett anders an.

Da können viele Dinge entscheidend sein über Erfolg oder Mißerfolg...

Etwa bei meinem ersten Heberwettkampf. Ein Anfängerfehler. Im Training nie mit 25er-Scheiben, den "Big Boys" trainiert. Zack, bei der Veranstaltung kommen die drauf natürlich. Fühlen sich völlig anders an. Oder auch das mit dem Heberanzug. Im Training arbeitest du mit Jogginghose, im Wettkampf hast du auf einmal den hautengen Fummel an und die Stange kommt dir viel näher als sonst!

Alles Dinge, die man einfach einmal erlebt haben muss. Einfach der Erfahrung willen, aber auch in dem guten Wissen, dass einen sowas wirklich stärker macht.

Was Aleksey aber auch anmerkte. Man sollte sich gezielt und gewissenhaft auf etwas vorbereiten. Nicht einfach blauäugig und ohne viel Plan an einen Wettkampf herangehen, ist nicht unbedingt die gescheiteste Option.

Torokthiy hast sich auf seine Action in Lochen vorigen Samstag extrem gut fokussiert. Hat um 9 Uhr Abends im wahrsten Sinn des Wortes eine Show heruntergerissen. 185 Kilo im Snatch und dem nicht genug. Gleich einen "Tor-Complex" draus gemacht. Also Reißen, Hocke Untersetzen, Schwungdrücken und Überkopfkniebeuge. Was für eine Bombenleistung. Mit dem Gewicht wäre er heuer in seiner Gewichtsklasse übrigens locker Europameister geworden...

Ein Bringer ist auch mein Freund Steve Maxwell. Der Fitness-Guru mit seinen fast 65 Jahren kommt am kommenden Wochenende nach Oberösterreich. Gibt ein weiteres Gastspiel. Er sagte mir, dass noch Restplätze vorhanden sind. Mehr Infos gibt es hier:
http://maxwellsc.com/registration.cfm?registration_id=437

Der Gig am Sonntag etwa ist fast geschenkt, ein Bagatell. Maxwell ist keine kleine Nummer in der Fitnesswelt. Ehemaliger BJJ-Weltmeister, war auch mal für eine Filmrolle Coach von Hollywood-Star Brad Pitt, ist seit 50 Jahren Coach und vor allem Praktiker und auf der ganzen Welt unterwegs ... Vorbeischauen lohnt sich:
Restplätze sind noch verfügbar: http://maxwellsc.com/registration.cfm?registration_id=437

Mittwoch, 2. November 2016

Torokthiy rockte das Haus

Alter Verwalter, was für ein Wochenende. Stemmer-Olympiasieger Aleksey Torokthiy hat das Haus gerockt. Ein brachialer Athlet, aber nicht nur ein außergewöhnlicher Sportler allein. Hier sein Auftritt im Rahmen des Landesliga-Finales in Lochen. 185 Kilogramm nicht "nur" gerissen, sondern auch noch ein wenig Spielerei dazu. Absoluter Hammer.

"Warm Body Cold Mind" wie seine Firma auch heißt, war an diesem 29. Oktober auch Programm. Um 21 Uhr noch so eine Weltklasse-Leistung auf die Bühne zu zaubern, war aller Ehren wert.




Tags darauf hat er dann bei einem Seminar viel viel Wissenswertes mitgeteilt. Ein Ingenieur der Weltraumtechnologie, der einem Gewichtheben in all seinen Details aufschlüsseln kann wie kaum ein anderer. Er bietet also Show und auch viel Go!


Mein Kumpel Janis und ich durften drei Tage an seiner Seite verbringen und konnten selbst wieder vieles mitnehmen und lernen. Einige Sachen werden mir in Erinnerung bleiben. Seine Bescheidenheit etwa aber auch die Disziplin. Wenn etwa ein Olympiasieger und Champion seines Sports einem als Antwort auf seine Frage, welche Supplemente denn gut wären, diese gibt: "Schläfst du mindestens acht Stunden? Trainierst du mindestens dreimal die Woche? Isst du regelmässig und gesund? Dann kannst du dir Gedanken machen, ob dir diese 0,5 Prozent wirklich noch weiterhelfen können." Ohne weiteren Kommentar....


Viele suchen den heiligen Gral, das schrieb ich hier schon des Öfteren. Die Suche danach verschlingt mehr unnütze Energie, als gut ist. Torokthiy sagte auch da etwas Wichtiges und ich habe es notiert: "Gewichtheben lernst du nicht in einem Workshop, lernst du nicht in einem Jahr. Ich bin selbst immer noch am Lernen und will besser werden. Man ist das ganze Sportlerleben am Arbeiten und Lernen und sollte nie aufhören das zu tun." Wenn ein Champion wie er oft Einheiten mit 40 kg im Reißen verbringt, um seine Technik zu schärfen, sollte sich jeder selbst für sich überlegen, was er des Öfteren veranstaltet.

Danke an alle, die Samstag und Sonntag gekommen sind, um diesem Ausnahmesportler beim Arbeiten zuzusehen. Es hat sich mehr als gelohnt...

Montag, 10. Oktober 2016

Ein Spartaner


Gestern und heut bei meinem Wald-Morgenspaziergang einen Hammer-Podcast gehört mit Joe de Sena, dem Gründer der "Spartan Race Serie". Kennt sicher der eine oder andere. War vor Jahren noch nicht so. Das Ding ist klein entstanden und mittlerweile was großes. Die Ansichten von De Sena sind dennoch die gleichen geblieben. Hochinteressanter Kerl. Old-School-Ansichten, Arbeiter-Mentalität.

Hier ist der Podcast zu hören:
http://jasonferruggia.com/joe-de-sena

Wer Motivation braucht, soll das auschecken,

guten Wochenstart...

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Dimas, der Löwe von Chimara

Jede Zeit hat ihre Helden. Pyrros Dimas war so einer. Wenige kennen ihn heute noch. Schade. Er war eine wirkliche Legende im Gewichtheben. Jeder redet heute von Klokov und Konsorten. Doch wie der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky einmal zu sagen pflegte zu seinem Gesprächspartner: "Lern Geschichte". Dimas gewann mit seiner Heberei zwar keinen Schönheitspreis, dafür Goldmedaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Einer der besten die es jemals gab. Im Netz gibt es nun eine sehr interessante Doku über ihn.







Übrigens: Bei Teil II musste ich bei Minute 2:37 schon schmunzeln. Da krabbeln doch tatsächlich junge Stemmer in Albanien am Boden herum. Ist die Übung doch nicht so revolutionär und neu, wie uns derzeit auch immer wieder verkauft wird?

Donnerstag, 29. September 2016

Unser lettischer Bär

2009 stand er das erste Mal vor uns. Das Gorilla Camp auf Karl Humers berühmt-berüchtigter Hangelanlage (https://www.facebook.com/FarmerKarlHangelgarten) zog Leute aus nah und fern an und fern war die Reise von Janis allemal zu uns. Über sechs Stunden Autofahrt nahm der Kerl in Kauf. Stand da in Baseball-Kappe und massiven Armen. Das er nicht zum Spass nur hier war, merkten wir bald. Janis sprühte vor Old-School-Wissen und auch vor Kraft und das obwohl er wohl der Älteste im Bunde dieses denkwürdigen Trainingstreffs war.



Es sollte eine Freundschaft auf Dauer werden, die uns fortan begleitete. Wir machten gemeinsam einen Trainingsurlaub in Venice Beach, der uns unter anderem ins weltberühmte Gold's Gym führte. Wir besuchten Legenden wie Peter Hensel, "Pumping" Ercan Demir, ein Strongman-Seminar und und und. Mehrmals im Jahr gaben wir gemeinsam im Training Gas, tauschten immer wieder in vielen Telefonaten unser Wissen aus. Im Februar diesen Jahres holte er Stemmer-Olympiasieger Dmitry Berestov nach Lochen. Nun im Oktober folgt Dmitry Toroktiy. Er ist ein Macher und kein Schwätzer.



Den Namen "lettischer Bär" bekam er ebenfalls bei einem unserer Trainingstreffs umgehängt. Janis hat seine Wurzeln im Baltikum, kam später über Deutschland in die Schweiz. Wo er nun seine Zelte aufgeschlagen hat. Vor zwei Jahren fand er in einer alten Halle sein Trainingsgym-Paradies. Und baute es seither kontinuierlich aus. Dort drin ist alles, was das Trainingsherz begehrt.


Ein Hammer-Platz, mehr ist im Kommen und wird in Kürze publiziert. Auf www.janis.pro kann man sich schon einen ersten Überblick verschaffen.

Letztes Wochenende war ich bei ihm zu Besuch, wir haben uns im Training nix geschenkt. Janis hat sich die Jahre seiner Trainings-Leidenschaft - und mit seinen 40 Lenzen ist er schon länger im Geschäft als so mancher Leser hier alt ist -  ungemeines Fachwissen angeeignet. Hier etwa ein Aufwärm-Complex, den er von Berestov bei seinem zweiwöchigen Trainingslager-Aufenthalt in Moskau letztes Jahr im Mai lernen durfte:

https://www.instagram.com/p/BK8YvFYBTV9/?taken-by=domifedo

Nachmachen lohnt sich. Ist schwerer als vielleicht gedacht. Aber bereitet super auf die nachstehende Arbeit mit der Königsübung Reißen vor.

Ich freue mich auf weitere Trainings-, Lern- und Austauschjahre mit unserem lettischen Bären.

But stipram oder "Stark sein - Kraft Frei", wie es auf gut Lettisch heißt!

Dienstag, 6. September 2016

Ein Vorbild durch und durch


Im Gewichtheber-Zentrum in Lochen im Innviertel in Oberösterreich schuftet derzeit ein Mann mehr Stunden am Eisen, als so manch einer täglich in seinem Bürosessel versitzt. Wieder einmal.

Hans Anglberger, mein Mentor im Olympischen Gewichtheben bereitet sich gerade auf die Masters-WM im deutschen Heinsheim Anfang Oktober vor. Steht oftmals zweimal am Tag vor der Hantel und gibt Vollgas. In der Klasse bis 69 Kilo ist der 65-Jährige ein Medaillenkandidat. Es wäre nicht seine erste, Hans hat schon viele Goldene, Silberne und Bronzene eingeheimst. Weil er wie kaum ein anderer auf der Welt nach wie vor fit ist. Und das in diesem Alter, wo manche nur mehr über ihre Wehwehchen klagen, über die guten alten Zeiten reden und ihr Dasein auf der Couch oder im Bett fristen. Nicht so Hans. Leider komm ich derzeit nicht so oft zum trainieren mit ihm, wie ich das gern täte. Aber Hans hat einige "Erfolgsgeheimnisse", die ich in vielen Stunden Training mit ihm herausfand und die jeden von uns weiterbringen:

- Wettkämpfe: das spornt ihn alljährlich an, der Hunger nach Erfolg ist eine Triebfeder, die viele nicht haben. Stattdessen wird oft ins Blaue ohne System trainiert. Hans hat mindestens 3-4 Wettkämpfe im Jahr und peakt darauf hin. Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

- Tagebuch: Hans führt genauestens Buch über seine Trainings und Wettkämpfe. Schreibt jedes Kilo, jede Wiederholung penibel genau auf. Geht das ganze immer wieder durch. Beginnt meist so 12 Wochen vor dem Wettkampf die genaue Vorbereitung, Schlendrian ist schon davor nicht drinnen. Er weiß genau was er tut, ein "running system", oftmals erprobt.

- Grundübungen: Hans macht Reißen, Stoßen, Kniebeugen und das seit Jahrzehnten. Dazu nach Bedarf noch Zusatzübungen für Bauch, unteren Rücken und die Ärmel. Das eine ist die Hauptspeise, das andere das Sahnehäubchen oben drauf. Basics, die das hormonelle System des Körpers befeuern und den Großteil der Muskulatur beanspruchen. Ein wahrer Jungbrunnen, wenn die Technik passt und man auf den Körper zudem horcht. Hans macht nach wie vor Kniebeugen mit 140 Kilogramm hinten und das bei seinem niedrigen Körpergewicht. Seine Oberschenkel und die Rückenstrecker sind der Beweis dafür. Er kann sein Körpergewicht auch immer noch problemlos reißen (bei Masters-Wettkämpfen oft eine Seltenheit) und 100 Kilo stoßen hat er ebenfalls noch drin. Noch einmal: der Kerl ist 65. Er hat keine Knieprobleme. Aufwärmen tut er am liebsten ein paar Minuten am Standfahrrad, dann Dehnen und Mobilisieren und dann mit der leeren Hantelstange so lange, bis er das Gefühl hat, jetzt geht's dahin. Dann geht's zur Sache dafür. Wir haben oft wahre Marathonsessions gemacht. Unzählige Sätze Reißen oder Umsetzen&Stoßen. Dann seine legendären Zug- und Kniebeugesessions. 2x4, Gewicht steigern, 2x4, Gewicht steigern, 2x4, Gewicht steigern, 2x3, Gewicht steigern, 2x3 und wenns dann noch geht einen schweren Zweier. Mörderisch. Er macht sowas bis zu fünfmal die Woche. Mit Zügen und Beugen. Brachial. Sein Körper hat adaptiert. Meiner versuchte es. Und tat es erstaunlicherweise immer mehr. Man hält mehr aus als man glaubt.

Hier ein Kniebeugen-Satz von Hans



- Regeneration: Der drahtige Kerl ist aber auch kein purer Vernichter, er hört genau auf seinen Körper. Überdreht er einmal, nimmt er sofort etwas raus. Geht regelmässig in die Therme, Sauna und auch zum Masseur sowie zum Akkupunktieren. Auch einen Post-Workout-Drink nimmt er ein im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen. In ein Bierglas gibt er Wasser und zwei Esslöffel Eiweißpulver. Rührt sich das ganze an, geht wieder zu einem Satz Kniebeugen, macht einen schweren Dreier oder Fünfer und nimmt dann bedächtig ein paar Schlucke vom Gesöff. Das machten schon die Oldtimer wie Frank Zane so. Denn merke: Wer was achtlos und schnell runterschluckt, verdaut es nicht gut und assimiliert auch nix davon. Hans ist auch da ein Vollprofi. Macht intuitiv vieles richtig. Weil er den Erfolg sucht und auch findet immer. Er trinkt in der Vorbereitung auf Wettkämpfe keinen Schluck Alkohol. Denn er weiß. Wer Tonnen an Gewicht täglich stemmt, muss dem Körper auch das geben, was er wirklich braucht.

Das alles sind keine XXXXLLL-Secret-Methoden, die uns so mancher "Internet-Coach" heute so gerne verkaufen würde. Aber es sind Dinge, die wirklich funktionieren. Wenn man sie den auch befolgt. Und daran hapert es oft. Aber von Hans kann man sich eine Scheibe abschneiden oder am besten auch mehrere.

Haut rein!

P.S.: Ein Vorbild vorbildlichen Alterns ist auch Steve Maxwell. Er kommt im November wieder mal zu uns. Hier mehr Infos. Sollte man sich nicht entgehen lassen:
http://maxwellsc.com/registration.cfm?registration_id=437